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Seite 1 von 5 Eine Liebeserklärung von Harald Helmut WeissGroßaufnahme: Ein Schreibtisch aufgeräumter Art. Die übliche Ausstattung - Kugelschreiber, Terminkalender, Telefon. Abrupt Geräusche der Zerstörung. Glas splittert. Holz birst. Ein pfeifendes Zischen, als würde eine Peitsche die Luft zerteilen. Die Kamera reißschwenkt. In Panik stürmt ein verängstigter Mann ins Zimmer. Verriegelt die Tür. Schiebt ein Sofa davor. Alles sinnlos. Unbeeindruckt zerschlägt sein Verfolger alles, was ihm im Weg ist. Niemals sieht man den Wütenden richtig. Mal zeigt die Kamera die behandschuhte Faust, die durch Holz drischt, mal die subjektive Sicht des Angreifers. Selbst großkalibrige Schüsse aus einem Jagdgewehr wehren ihn nicht ab. Der Gehetzte hat keine Chance. Ein letztes Zisch, ein Schlag, leblos bricht er zusammen. Im Hintergrund liegt das Jagdgewehr – mit kurios verbogenem Lauf.
So mitreißend, so atemberaubend beginnt die Episode The Cybernauts der britischen Fernsehserie The Avengers (Die Rächer). Und das waren auch die ersten Szenen, alle noch schwarzweiß, die ich von dieser mittlerweile zum wahren Kult gewordenen Serie jemals gesehen habe. Am 18. Oktober 1966, einem Dienstag um 21:15 Uhr. Ich war zwölf und das ZDF (kurz für Zweites Deutsches Fernsehen), strahlte Die Roboter aus, als Auftakt einer brandneuen Krimireihe (Hinweis in der Programmzeitschrift HÖRZU: Ab 18!). Die Attraktion hieß hierzulande ganz harmlos Mit Schirm, Charme und Melone. Und sollte bald TV-Geschichte schreiben.
Als die beiden Avengers, die Helden, dann das zertrümmerte Arbeitszimmer begutachten, sah ich sie zum ersten Mal: Die reizende Emma Peel und John Steed, den Weltgewandten, einen Gentleman wie direkt aus dem Englischbuch. Das waren eindeutig die Guten. Eine halbe Stunde später wusste ich auch: Diese Charmeure können rabiat werden. Unterhaltsame Zeiten für mich - magere Zeiten für miese Missetäter. Steed verbirgt in seinem Regenschirm einen scharfen Degen und sonstige Gadgets. Die Melone - stahlverstärkt. Auch die zarte Mistress weiß sich zu wehren, ist Karate-Profi, im Nahkampf erst richtig sexy. Im Lederdress sieht sie einfach umwerfend aus. Wow! Ich war bezaubert. Das waren doch wirklich die außergewöhnlichsten Agenten, die jemals auf der heimischen Mattscheibe erschienen.
So wollte ich auch sein. Immer cool und relaxt, unbeeindruckt von Chaos und Wahnwitz. Selbst als sie entdecken, dass Killerroboter die brutale Mordserie ausgeführt haben, bleiben sie im Angesicht dieser unmenschlichen Haudraufs überlegen, einfallsreich, witzig. Während ich selbst bibbernd auf dem Sofa meiner Eltern saß und befürchtete, dass solch eine Mordmaschine wohl jeden Moment auch unser Wohnzimmer kleinholzen würde. Es war einschüchternd. Und faszinierend zugleich.
The Cybernauts ist außerdem ein hervorragendes Beispiel für das, was die Plots der Serie ausmacht: Ein Automatisierungs-Fanatiker lässt Konkurrenten von funkgesteuerten Robotern eliminieren und träumt bereits von einer Armee gehorsamer Maschinenmenschen.
Auf wunschliste.de berichtet Klaus Möller (Jahrgang 1953), wie er als Teen dieses Spektakel sofort neu verfilmte. Auf Super 8 Schmalfilm und mit sich selbst als Roboter. Ich hätte so gerne den John Steed gegeben.
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