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Seite 4 von 4 Die historische Bronzestatue des Vorzeige-Mainzers und Buchdruckers, die bereits 1837 feierlich eingeweiht wurde, leidet an Altersschwäche. Seit Mai 2008 befindet sie sich in Regensburg zur Kur. Im Insititut für Metallrestaurierung wird sie fit und standfest gemacht. Der verwaiste Sockel verlockt aber nicht nur ausgewiesene Narren immer wieder zu gewagten Kunststücken.
Der Rosenmontagszug führt traditionell am Gutenberg-Platz vorbei, man befürchtete also ungewollte Sockel-Aktivitäten. So beauftragte die Gebäudewirtschaft Mainz, ein städtischer Eigenbetrieb, Wenger mit der Herstellung eines Stellvertreters. „Wie wir Sie kennen, haben Sie hier bestimmt gute Ideen“, war Werkleiter Gilbert Korte sicher. Und er wurde nicht enttäuscht. Pünktlich zum Altweiberdonnerstag hievte das Wenger-Team einen närrischen Gutenberg aufs Podest. Ausgerüstet mit Narrenkappe und rot leuchtender Pappnase kam er gerade rechtzeitig, um das gesellige Treiben zu verfolgen. Weck, Worscht und Woi, quasi das traditionelle Meenzer Dreigestirn, fehlten ihm genauso wenig wie die MCV-Zeitung Narhalla. Die hatte ihm sein Schöpfer statt der Bibel in die Hand gedrückt.
Doch wie sagt ein ehernes Naturgesetz: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Gutenberg wurde heimgeholt. Gemeinsam mit einer nacktgescannten Nonne, ein paar gutgelaunten Polizisten und ungezählten Politikern träumt er nun in der Wagenhalle des MCV von besseren Zeiten. Und die werden sicher kommen. „Wir verwenden vieles wieder“, gesteht Dieter P. Wenger. „Auch in diesem Jahr haben wir den Kopf von Altbundeskanzler Helmut Kohl gut brauchen können“, freut er sich augenzwinkernd. Für welche der Figuren, will er uns allerdings nicht verraten.
Lange wird sich Wenger nicht von diesem Arbeitsmarathon erholen können. Schon arbeitet die Mannschaft von Inspiration an der Ladengestaltung für verschiedene Supermärkte der EDEKA-Gruppe. Und wenn die gehetzte Hausfrau, dort bereits am Eingang von einem strahlenden Mitarbeiter aus Styropor begrüßt, eine unbestimmte Lust auf Kamelle und Konfetti packt - wir wissen wieso. Außerdem: Für Dieter P. Wenger ist eigentlich das ganze Jahr über Fastnacht. Auch wenn er jetzt abends die Fernsehnachrichten verfolgt, blitzt er manchmal schon wieder auf, der Schalk in seinen Augen. Nach Aschermittwoch ist eben immer auch vor Rosenmontag.
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